Künstliche Intelligenz als Kunde
Wenn KI-Agenten online zum günstigsten Preis kaufen
Im E-Commerce eine persönliche Beziehung zu Kund:innen aufzubauen, ist naturgemäß schwierig. Während im stationären Geschäft Beratung, Ambiente und Zusatzservices die Kaufentscheidung beeinflussen, entscheidet online meist der Preis. Konsument:innen kaufen Massenware wie Kleidung und Elektronik dort, wo sie am günstigsten ist. Künstliche Intelligenz könnte diese Sparmentalität beim Onlineshopping nun auf die Spitze treiben. Alle technischen Voraussetzungen für eine Revolution im digitalen Kaufverhalten sind bereits da: in Gestalt sogenannter KI-Agenten.
Wer beim Begriff „KI-Agent“ zuerst an Spione denkt, liegt gar nicht falsch. KI-Agenten suchen im Auftrag von Konsument:innen nach dem günstigsten Preis eines Produkts. So weit, so bekannt. Preiswecker von Vergleichsseiten verfahren schließlich ähnlich: Kund:innen erhalten eine Benachrichtigung, sobald ein Shop den gesuchten Artikel zum Wunschpreis anbietet. Der Unterschied ist nun: KI-Agenten schlagen sofort zu. Sie legen das Produkt in den Warenkorb und führen sogar den Check-out eigenständig durch – inklusive Bezahlung.
Bezahlen? Mit KI, bitte!
Ein KI-Agent kauft zu jeder Tages- und Nachtzeit im Auftrag eines Kunden ein. Ganz gleich ob dieser gerade arbeitet, kocht oder schläft. Damit ohne Zutun des Käufers ein Kauf zustande kommt, ist eine Vorautorisierung nötig. Was simpel klingt, ist komplex. Denn: Der Shopping-Auftrag an einen KI-Agenten ist eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Weder der Händler, noch der finale Preis, noch der Zeitpunkt des Kaufs stehen fest, wenn ein Konsument der KI sein Go erteilt. Die üblichen Zahlungsoptionen im E-Commerce, wie die Kreditkarte, sind dafür also ungeeignet. Mastercard und VISA haben diese Schwierigkeit erkannt und setzen auf Tokenisierung als technologische Basis.
Ein Token öffnet und beschränkt Zugänge dabei ähnlich zu einer Zimmerkarte im Hotel, die einem Gast während seines Aufenthalts nur zu einem bestimmten Aufzug, Stockwerk und Zimmer Eintritt gewährt. So lässt sich auf einer tokenisierten Bezahlkarte einprogrammieren, in welchen Onlineshops sie in welchem Zeitraum bis zu welcher Obergrenze zum Einsatz kommen darf. Dieser limitierte Handlungsrahmen soll Käufer und Verkäufer absichern. Rechtlich eindeutig ist der Einkauf mit KI-Agenten allerdings noch nicht, denn aktuell eilt die technologische Entwicklung der Gesetzgebung in großen Schritten voraus.
Wie sehr drängt die KI-Optimierung?
Noch sind KI-Agenten nicht live im Einsatz. Sicher ist aber: Das Einkaufen mit Künstlicher Intelligenz kann den E-Commerce sehr bald auf den Kopf stellen. Bereits im April 2025 hat Mastercard seinen Ansatz „Agent Pay“ präsentiert. Damit sollen sich Einkäufe von der Produktsuche bis zur Bezahlung in nur einem KI-Chatfenster abwickeln lassen. VISA zog im Mai mit der Präsentation des Programms „Intelligent Commerce“ nach. Im Juli hat nun der Tech-Riese Amazon Web Services (AWS) seinen Marktplatz für KI-Agenten gelauncht: Auf „Amazon Bedrock AgentCore“ können Unternehmen ihre KI-Agenten bereitstellen, weiterentwickeln und skalieren. Damit hat AWS den Turbo gezündet für den KI-Commerce.
3 Tipps: So bereiten sich Händler:innen auf den „Agent Commerce“ vor
Während sich große Marktplätze also längst für KI-Agenten optimieren, ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Betreiber:innen kleinere Onlineshops, sich auf den „Agent Commerce“ vorzubereiten.
- Schnittstellen für KI-Agenten schaffen: Onlinehändler können über Programmierschnittstellen besser steuern, welche Informationen KI-Agenten aus ihrem Shop erhalten. So sind Angebote sichtbarer und werden bei KI-generierten Produktempfehlungen eher berücksichtigt.
- Preisfehler bestmöglich vermeiden: KI-Agenten kennen keine Gnade. Eine vergessene Null bei der Bepreisung und das Smartphone geht für 150 Euro statt 1.500 Euro über den virtuellen Ladentisch. Auch, wenn der falsche Preis nachts um 3 Uhr nur für wenige Sekunden online ist.
- Kund:innen aus Fleisch und Blut bleiben: KI-Agenten sind (vorerst) nicht die einzige Zielgruppe im E-Commerce. Konsument:innen wünschen sich weiterhin eine ansprechende Kundenreise mit ihrer jeweils bevorzugten Bezahloption. Im Idealfall überzeugt das Angebot künstliche und echte Kund:innen gleichermaßen.
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